Revolution

Erzählung. In „Die Welt, an der ich schreibe“ (Hg. Kurt Neumann)
Verlag Sonderzahl  2005

Dreimal wurde das Volk gerettet. Dreimal trugen die Menschen das Bildnis ihres Befreiers durch die Straßen. Hinter den Mauern des weißen Hauses lebten der Mann und die Frau und das Kind. Im Garten blühten die Rosen. Die Zikaden sangen. Die Palmen schüttelten ihr gefiedertes langes Haar. Die Datteln waren gelb, dann rot. Misch-misch hießen die kleinen, süßen Marillen. Im Bazaar trank das Kind Granatapfelsaft und sah einem malenden Bettler zu, der seinen Zeichenstift mit der Zehe hielt. Er hatte keine Hände.

Der Mann schenkte der Frau einen Fernsehapparat. Seite an Seite saßen sie im Wohnzimmer und sahen amerikanische Filme an. Das Bild flimmerte, aber das machte ihnen nichts aus. Der Mann träumte davon, in Amerika zu leben. Die Frau hatte einen anderen Traum. Sie wollte in das Land, aus dem sie gekommen war, heimkehren.

Am Tag, als die Fernsehstation besetzt wurde, fasste sie ihren Entschluss. Der Film, der lief, wurde unterbrochen, und im Fernsehstudio sah man den Mann, der als letzter das Volk gerettet hatte. Soldaten stießen ihn vor die Kamera und banden ihn in einem Stuhl nieder. Einer, der unsichtbar blieb, setzte ihm seine Pistole an und drückte ab. Die Kugel traf, aber sie tötete nicht. Der Befreier des Volkes starb langsam. Die Menschen vor den Fernsehapparaten sahen ihm dabei zu. Immer wieder griff die Hand des unsichtbaren Mörders in den Haarschopf des Sterbenden und hob sein Gesicht der Kamera entgegen. So konnten es alle sehen, als er endlich tot war.