Marie. Ein Fall

Hörspiel
ORF 2011

Länge: 52’21“

Übernahmen Deutschland, Schweiz, Italien

Eine Frau schreibt einen Brief. Sie ist jung, 21 Jahre alt. Der Mann, an den sie schreibt, ihr Geliebter, will nichts mehr von ihr wissen. An ihrer Liebe zu ihm ändert es nichts.

Eingebettet in diesen langen Brief sind Bruchstücke Erinnerung, ihre Kindheit, ihre Liebesbeziehung. Die Fragen, die ihr das Gericht stellte und sie sich selbst. Die Zeugen, die Gutachter, die Journalisten. Beurteilungen, Verurteilungen. Das Urteil.

Sie ist eine Mörderin. So jedenfalls lautet der Richtspruch. Ihre Hinrichtung findet öffentlich statt. Auch hundert Jahre später gibt der Fall der jungen Marie Lerch, die vor Gericht durch ihre Wohlerzogenheit und ihre unglaublichen Lügengeschichten auffiel, Rätsel auf.

Das Hörspiel erzählt eine wahre Kriminalgeschichte, zitiert aus Originaldokumenten, Gerichtsakt, Gutachten, Zeitungsberichten und Briefen.

Die Namen der handelnden Figuren sind, ebenso wie „Maries Brief“, der das Hörspiel umrahmt und durchzieht, fiktiv.

 

Szene 14. Vor Gericht.

Vorsitzender
Sie haben sich doch in der Zwischenzeit wieder mit Hauser getroffen?

Marie
Ich sagte, ich sei gestürzt. Aber er glaubte mir nicht. Mein Vater fürchtete, er würde uns anzeigen.

Vorsitzender
Ihr Vater wusste also auch von der Abtreibung.

Marie
Ich hatte ihm gesagt, wenn ich den Referendar heiraten muss, töte ich mich. Mein Vater wollte mir helfen. Aber dann drohte Hauser, die Abtreibung publik zu machen. Ich besorgte mir einen Revolver, es war einer, der möglichst wenig Geräusch machte.

Vorsitzender
Woher kamen Sie an die Waffe? Das ist doch kein Kinderspiel.

Marie
Der Revolver hatte einem Selbstmörder gehört, mein Vater, der Bürgermeister war, hatte ihn aus dem Rathaus mitgebracht und in einem Kasten verwahrt. Diesen nahm ich an mich.

Vorsitzender
Sie töteten sich nicht damit, sondern brachten Ihren Geliebten mit Geld zum Schweigen.

Marie
Ja, er brauchte immer Geld, ich hatte schon genug davon, es immer von neuem zu beschaffen. Deshalb sagte ich ja, als der Referendar noch einmal um meine Hand fragte. Dann tat es mir aber wieder leid.

Websites zum Hörspiel

Website Ö1 2011
Website Ö1 2015